Leben in Wahrheit!
Leben in Wahrheit! Nicht der Gaunersprache beugen!
"Die enorme und ständig steigende Anzahl von Mystikern in der gegenwärtigen Zeit zeigt besser als irgend etwas anderes das unleugbare okkulte Wirken des Zyklusses. Tausende Männer und Frauen, die zu keiner Kirche, Sekte oder Gesellschaft gehören, die weder Theosophen noch Spiritualisten, aber dennoch gewissermaßen Mitglieder jener Stillen Bruderschaft sind, deren Einheiten sich oftmals untereinander nicht kennen und fernen und weit auseinanderliegenden Nationen angehören und von denen jedes die Markierung des geheimnisvollen karmischen Siegels auf seiner Stirn trägt - jenes Siegels, das aus ihm oder ihr ein Mitglied der Bruderschaft der Auserwählten des Denkens macht.
Nachdem sie erfolglos versucht haben, ihr Bestreben in ihrem jeweiligen orthodoxen Glauben zufriedenzustellen, haben sie sich seelisch, wenn nicht körperlich, von ihrer Kirche getrennt und den Rest ihres Lebens der Verehrung erhabenerer und reinerer Ideals gewidmet, als sie ihnen intellektuelle Spekulationen [1] jemals geben können.
Wie wenige sind es, und wie selten kann man sie treffen, verglichen mit ihrer Zahl, und dennoch ist ihr Name Legion, wenn sie es nur vorziehen, sich zu offenbaren. Unter dem Einfluß derselben leidenschaftlichen Suche nach dem "Leben im Geiste" und "Leben in Wahrheit", das jeden ernsten Theosophen [2] zu Jahren moralischer Verleumdung und öffentlicher Verbannung zwingt. Bewegt durch dieselbe Unzufriedenheit mit den Prinzipien bloßer Konventionalität der modernen Gesellschaft und die Verachtung für das immer noch triumphierende moderne Denken, welches die ehrenden Beinamen "wissenschaftlich" und "in erster Linie", "Pionier" und "liberal" schamlos für sich verwendet, dieses Vorrecht dann aber zur Bevormundung der Mutlosen und Eigennützigen benutzt - ziehen es diese ernsten Männer und Frauen vor, allein und ohne Hilfe den schmalen und dornigen Pfad voranzuschreiten, der vor demjenigen liegt, der weder Autoritäten anerkennt, noch sich der Gaunersprache [3] beugt."
- Helena P. Blavatsky: Collected Writings, vol. XII, pp.125-126, Hervorh. i. O.
[1] HPB spielt hier auf die von ihr ständig gegeißelten menschengemachten Dogmen einer selbsternannten Priesterkaste an, die eine Theologie voller intellektueller Spekulationen erfunden hat, jedoch areligiös geworden ist, d.h. den Menschen nicht in die Lage versetzt, sich mit dem verlorenen Göttlichen rückzuverbinden (was eine der gängigen Etymologien von "Religion" ist), weshalb sie die Grund-Lehrsätze der Uralten Weisheit - welche ein vollständiges und intaktes Lehrsystem non-dualer Weisheit darstellt - im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts in den Westen zurückgebracht hat und welche die Synthese von Wissenschaft, Religion und Philosophie in der Selbsterkenntnis des Göttlichen im Menschen als der Metaebene postuliert. (FR)
[2] HPB meint mit dem Begriff (Hegel!) "Theosoph" nach ihrer eigenen Definition kein Vereinsmitglied, sondern jeden Menschen, der ernsthaft nach der Wahrheit sucht und sich für die menschlichen Tugenden in Alltag, Staat und Gesellschaft einsetzt. In diesem Sinne bezeichnete sie unsere deutschen Idealisten wie Fichte und Hegel als Theosophen (wie sich schon die Schüler des großen Paracelsus nannten), also als Wahrheitssucher, in denen ein neuer Sinn - der göttliche Funke - erwacht ist, der die Einsicht in die Notwendigkeit zu Weisheit und Bruderschaft aller Menschen und Nationen bringt (die HPB als antiglobalistisch und antizionistisch verstanden wissen will, indem die Völker und Nationen statt geschwächt und zerstört zu neuer, spiritueller Stärke durch Erwecken der Volksgeister geführt werden), während die Schattenbrüder das theosophische Bruderschaftsideal der höhergeistigen (spirituellen) Ebene auf der physischen Ebene nachzuäffen versuchen (Materialismus), weil die Materie allein ihr Reich ist und sie ein anderes nicht kennnen ("MEIN Reich ist nicht von dieser Welt" - eures aber schon), was natürlich auch bedingt, den erwachenden Geist töten zu müssen (Katholizismus, Jesuitismus, Kommunismus, Jahwismus usw.).
Deshalb soll im Deutschen Idealismus in der theosophischen Tradition von Paracelsus über Böhme, Hegel, Fichte, Fechner, Dr. Franz Hartmann u.a. am Deutschen Wesen die Welt genesen, wie HPB es wahrscheinlich mündlich lehrte und von ihrer Nachfolgerin Katherine Tingley öffentlich erklärt wurde, indem sie 1925 im Beethoven-Saal in Berlin Deutschland als den zukünftigen spirituellen Leuchtturm für die Welt nannte.
[3] Engl. cant: heuchlerische, scheinheilige Rede, Rotwelsch, Gaunersprache. Das "Neue Duden Lexikon" von 1989 erklärt es als Gaunersprache (s.d.) und führt als Synonyme an: Rotwelsch (dt.), Argot (frz.) und Gergo (ital.). Rotwelsch (s.d.) setzt sich zusammen aus rot = Bettler und welsch = für unverständliche Redeweise, man denke z.B. auch an Kauderwelsch. Die älteste Quelle ist das Liber Vagatorum (1510) und wurde von Luther 1528 neu hg.; es sei dem Lexikon zufolge von "vielen Wörtern aus dem Jiddischen und der Zigeunersprache durchsetzt".
Cant (s.d.) meint sinngemäß also eine heuchlerische, scheinheilige Sprache; man könnte auch sagen: jemanden ein X für ein U vormachen; vgl. auch B:CW unter cant, hypocrisy, Carlyle. Im letzten bekannten Meisterbrief, dem sog. "1900er-Brief" an Annie Besant, benutzt Meister K.H. den Ausdruck cant ebenfalls: "Das scheinheilige Gerede [cant] über die 'Meister' muß unauffällig, aber entschieden zum Schweigen gebracht werden" (woran sich die Besant ja bekanntlich nicht gehalten hat), vgl. Mahatma-Briefe I:249 Fn. HPB erklärt andernorts über den Begriff "cant", daß ihn "Webster und andere Lexika definieren als "weinerliche, heuchlerische, angemaßte Güte" (B:CW IX:83).
Weiterführend: S. A. Wolf: "Wörterbuch des Rotwelschen. Deutsche Gaunersprache", Mannheim, B.I. 1956. (FR)
"Die enorme und ständig steigende Anzahl von Mystikern in der gegenwärtigen Zeit zeigt besser als irgend etwas anderes das unleugbare okkulte Wirken des Zyklusses. Tausende Männer und Frauen, die zu keiner Kirche, Sekte oder Gesellschaft gehören, die weder Theosophen noch Spiritualisten, aber dennoch gewissermaßen Mitglieder jener Stillen Bruderschaft sind, deren Einheiten sich oftmals untereinander nicht kennen und fernen und weit auseinanderliegenden Nationen angehören und von denen jedes die Markierung des geheimnisvollen karmischen Siegels auf seiner Stirn trägt - jenes Siegels, das aus ihm oder ihr ein Mitglied der Bruderschaft der Auserwählten des Denkens macht.
Nachdem sie erfolglos versucht haben, ihr Bestreben in ihrem jeweiligen orthodoxen Glauben zufriedenzustellen, haben sie sich seelisch, wenn nicht körperlich, von ihrer Kirche getrennt und den Rest ihres Lebens der Verehrung erhabenerer und reinerer Ideals gewidmet, als sie ihnen intellektuelle Spekulationen [1] jemals geben können.
Wie wenige sind es, und wie selten kann man sie treffen, verglichen mit ihrer Zahl, und dennoch ist ihr Name Legion, wenn sie es nur vorziehen, sich zu offenbaren. Unter dem Einfluß derselben leidenschaftlichen Suche nach dem "Leben im Geiste" und "Leben in Wahrheit", das jeden ernsten Theosophen [2] zu Jahren moralischer Verleumdung und öffentlicher Verbannung zwingt. Bewegt durch dieselbe Unzufriedenheit mit den Prinzipien bloßer Konventionalität der modernen Gesellschaft und die Verachtung für das immer noch triumphierende moderne Denken, welches die ehrenden Beinamen "wissenschaftlich" und "in erster Linie", "Pionier" und "liberal" schamlos für sich verwendet, dieses Vorrecht dann aber zur Bevormundung der Mutlosen und Eigennützigen benutzt - ziehen es diese ernsten Männer und Frauen vor, allein und ohne Hilfe den schmalen und dornigen Pfad voranzuschreiten, der vor demjenigen liegt, der weder Autoritäten anerkennt, noch sich der Gaunersprache [3] beugt."
- Helena P. Blavatsky: Collected Writings, vol. XII, pp.125-126, Hervorh. i. O.
[1] HPB spielt hier auf die von ihr ständig gegeißelten menschengemachten Dogmen einer selbsternannten Priesterkaste an, die eine Theologie voller intellektueller Spekulationen erfunden hat, jedoch areligiös geworden ist, d.h. den Menschen nicht in die Lage versetzt, sich mit dem verlorenen Göttlichen rückzuverbinden (was eine der gängigen Etymologien von "Religion" ist), weshalb sie die Grund-Lehrsätze der Uralten Weisheit - welche ein vollständiges und intaktes Lehrsystem non-dualer Weisheit darstellt - im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts in den Westen zurückgebracht hat und welche die Synthese von Wissenschaft, Religion und Philosophie in der Selbsterkenntnis des Göttlichen im Menschen als der Metaebene postuliert. (FR)
[2] HPB meint mit dem Begriff (Hegel!) "Theosoph" nach ihrer eigenen Definition kein Vereinsmitglied, sondern jeden Menschen, der ernsthaft nach der Wahrheit sucht und sich für die menschlichen Tugenden in Alltag, Staat und Gesellschaft einsetzt. In diesem Sinne bezeichnete sie unsere deutschen Idealisten wie Fichte und Hegel als Theosophen (wie sich schon die Schüler des großen Paracelsus nannten), also als Wahrheitssucher, in denen ein neuer Sinn - der göttliche Funke - erwacht ist, der die Einsicht in die Notwendigkeit zu Weisheit und Bruderschaft aller Menschen und Nationen bringt (die HPB als antiglobalistisch und antizionistisch verstanden wissen will, indem die Völker und Nationen statt geschwächt und zerstört zu neuer, spiritueller Stärke durch Erwecken der Volksgeister geführt werden), während die Schattenbrüder das theosophische Bruderschaftsideal der höhergeistigen (spirituellen) Ebene auf der physischen Ebene nachzuäffen versuchen (Materialismus), weil die Materie allein ihr Reich ist und sie ein anderes nicht kennnen ("MEIN Reich ist nicht von dieser Welt" - eures aber schon), was natürlich auch bedingt, den erwachenden Geist töten zu müssen (Katholizismus, Jesuitismus, Kommunismus, Jahwismus usw.).
Deshalb soll im Deutschen Idealismus in der theosophischen Tradition von Paracelsus über Böhme, Hegel, Fichte, Fechner, Dr. Franz Hartmann u.a. am Deutschen Wesen die Welt genesen, wie HPB es wahrscheinlich mündlich lehrte und von ihrer Nachfolgerin Katherine Tingley öffentlich erklärt wurde, indem sie 1925 im Beethoven-Saal in Berlin Deutschland als den zukünftigen spirituellen Leuchtturm für die Welt nannte.
[3] Engl. cant: heuchlerische, scheinheilige Rede, Rotwelsch, Gaunersprache. Das "Neue Duden Lexikon" von 1989 erklärt es als Gaunersprache (s.d.) und führt als Synonyme an: Rotwelsch (dt.), Argot (frz.) und Gergo (ital.). Rotwelsch (s.d.) setzt sich zusammen aus rot = Bettler und welsch = für unverständliche Redeweise, man denke z.B. auch an Kauderwelsch. Die älteste Quelle ist das Liber Vagatorum (1510) und wurde von Luther 1528 neu hg.; es sei dem Lexikon zufolge von "vielen Wörtern aus dem Jiddischen und der Zigeunersprache durchsetzt".
Cant (s.d.) meint sinngemäß also eine heuchlerische, scheinheilige Sprache; man könnte auch sagen: jemanden ein X für ein U vormachen; vgl. auch B:CW unter cant, hypocrisy, Carlyle. Im letzten bekannten Meisterbrief, dem sog. "1900er-Brief" an Annie Besant, benutzt Meister K.H. den Ausdruck cant ebenfalls: "Das scheinheilige Gerede [cant] über die 'Meister' muß unauffällig, aber entschieden zum Schweigen gebracht werden" (woran sich die Besant ja bekanntlich nicht gehalten hat), vgl. Mahatma-Briefe I:249 Fn. HPB erklärt andernorts über den Begriff "cant", daß ihn "Webster und andere Lexika definieren als "weinerliche, heuchlerische, angemaßte Güte" (B:CW IX:83).
Weiterführend: S. A. Wolf: "Wörterbuch des Rotwelschen. Deutsche Gaunersprache", Mannheim, B.I. 1956. (FR)
bin66 - 3. Mai, 02:16

