Samstag, 3. Juni 2006

New technology probes ancient manuscript

New technology probes ancient manuscript
By NICHOLAS PAPHITIS, Associated Press Writer
Thu Jun 1, 8:47 PM ET
The burnt remains of a 2,400-year-old scroll buried with an ancient Greek nobleman may help unlock the secrets of early monotheistic religion — using new digital technology.
A team of U.S., British and Greek experts is working on a new reading of the enigmatic Derveni papyrus, a philosophical treatise on ancient faith that is Europe's oldest surviving manuscript.

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More than four decades after the papyrus was found in a grave in northern Greece, researchers said Thursday they are close to uncovering new text from the blackened fragments left after the scroll was burned on its owner's funeral pyre.

Large sections of the mid-4th century B.C. document — a philosophical treatise on religion written in ancient Greek — were read by scholars years ago.

But now, archaeologist Polyxeni Veleni believes U.S. imaging and scanning techniques used to decipher the Judas Gospel — which portrays Judas not as a sinister betrayer but as Jesus' confidant — will considerably expand and clarify that text.

"I believe some 10-20 percent of new text will be added, which however will be of crucial importance," said Veleni, director of the Thessaloniki Archaeological Museum, where the manuscript is kept.

"This will fill in many gaps. We will get a better understanding of the sequence and the existing text will become more complete," Veleni told The Associated Press.

The scroll, originally several yards of papyrus rolled around two wooden runners, was found in 1962. It dates to around 340 B.C., during the reign of Philip II of Macedon, father of Alexander the Great.

"It is the oldest surviving book, if you can use that word for a scroll, in Western tradition," Veleni said. "This was a unique find, of exceptional importance."

Greek philosophy expert Apostolos Pierris said the text may be a century older.

"It was probably written by somebody from the circle of the philosopher Anaxagoras, in the second half of the 5th century B.C.," he said.

Anaxagoras, who lived in ancient Athens, is thought to have been the teacher of Socrates and was accused by his contemporaries of atheism.

Last month, experts from Brigham Young University in Utah used multi-spectral digital analysis to create enhanced pictures of the text, which will be studied by Oxford University papyrologist Dirk Obbink and Pierris, and published by the end of 2007.

A separate, Greek team is also working to produce a new edition by the end of 2006.

"We were now able to read even the most carbonized sections, as there were pieces that were completely blackened and nobody could make out whether there were letters on them," Veleni said.

The manuscript was thrown onto the funeral pyre that consumed its owner, and laid with his ashes in the grave.

"The fire actually saved it, as the papyrus would have been rotted away by damp if not burned," Greek papyrologist expert George Karamanolis said.

The book contains a philosophical treatise on a lost poem describing the birth of the gods and other beliefs focusing on Orpheus, the mythical musician who visited the underworld to reclaim his dead love and enjoyed a strong cult following in the ancient world.

Ancient legends tell how Orpheus, who could charm wild beasts with his lyre, met a brutal end at the hands of an outraged band of Thracian women who resented his fidelity to his lost sweetheart, Eurydice, and tore him to shreds and threw the remains into a river.

The Orpheus cult revolved around the soul's fate after death. It raised the notion of a single creator god — as opposed to the multitude of deities the ancient Greeks believed in — and influenced later monotheistic faiths.

"In a way, it was a precursor of Christianity," Pierris said. "Orphism believed that man's salvation depended on his knowledge of the truth."

Veleni said the manuscript "will help show the influence of Orphism on later monotheistic religions."

The scroll's remains — about 200 charred scraps — are currently kept in the museum's storerooms, sandwiched between glass panels.

The Derveni grave, about five miles northwest of Thessaloniki, was part of a rich cemetery belonging to the ancient city of Lete.

"It belonged to a very rich man, a Macedonian nobleman, warrior and athlete who had a lot of very important and valuable artifacts in his grave," Veleni said. Finds included metal vases, a gold wreath and weapons.
http://tinyurl.com/pt84c

Die Tätertröster - Verrohung und Justiz

Die Tätertröster - Verrohung und Justiz
30.05.2006
Von Sophie Dannenberg
Vor dreißig Jahren prägte der Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer den Begriff "Helfersyndrom". Ein solcher Helfer, so die These, kümmert sich um Menschen, denen es schlecht geht, damit es ihm selber gut geht. An einer Heilung seiner Zöglinge ist ihm nicht gelegen, sondern nur an seiner eigenen. Es handelt sich also beim Helfersyndrom um eine besondere Form der psychischen Störung.

Inzwischen gibt es eine weitere Kategorie von Helfern, der Begriff von Schmidbauer müsste also erweitert werden. Die neuen Helfer, nennen wir sie Tätertröster, kümmern sich nicht um Menschen, denen es schlecht geht, sondern um Menschen, die Schlechtes tun. Dabei behaupten die Tätertröster, diese Menschen würden nur deswegen Schlechtes tun, weil es ihnen schlecht geht. Wenn Verbrecher etwa Frauen vergewaltigen, Kinder missbrauchen oder Mitschüler quälen, dann haben sie, so die Tätertröster, gute Gründe: eine schwere Kindheit etwa, eine Wohnung in einem Problembezirk, eine Hartz-IV-Problematik oder einen Migrationshintergrund oder gleich alles auf einmal. Man muss ihnen also helfen, ohne Rücksicht auf Verluste.

Ein besonders prominenter Tätertröster ist die Berliner Justizsenatorin Karin Schubert. Kürzlich vergewaltigten in Berlin vier Jugendliche zwischen dreizehn und sechzehn Jahren eine Mitschülerin, zeichneten das Verbrechen mit der Handykamera auf und schickten den Film zur allgemeinen Gaudi an ihre Kumpels. Nach einer Strafanzeige wurden die Verdächtigen kurz festgenommen und dann gleich wieder freigelassen. Das schwer traumatisierte Mädchen, das Opfer, das seinen Peinigern nun schutzlos ausgeliefert ist, vergaßen die Richter, und auch, dass die stolzen Täter sich jetzt in ihrem Tun bestätigt fühlen können. Die ahnungslose Öffentlichkeit zeigte sich empört. Es hagelte Schlagzeilen und wütende Kommentare. Aber gnadenlos konterte die Justizsenatorin: eine Haftstrafe bei Jugendlichen sei selbst nach einer Verurteilung lediglich als ultima ratio angebracht, also eigentlich gar nicht. Statt dessen möchte Schubert, als echter Tätertröster, die Verbrecher lieber betreuen und bemuttern. Schulen, Jugendämter, Familien, Vormundschaftsrichter, alle sollen sie den armen kleinen Vergewaltigern, die von der bösen Gesellschaft so arg misshandelt worden sind, dass sie kriminell werden mussten, ermunternd unter die Ärmchen greifen.

Dieser Trend zum Händchenhalten mit Gewaltverbrechern hat zum einen damit zu tun, dass die Täter immer jünger werden, dass sich Kinder schon mit dreizehn wie Erwachsene benehmen, was sich eben auch in ihrem kriminellen Verhalten zeigt. Hier vergreift sich sowohl das Kindchenschema als auch das Gesetz an der Wirklichkeit. Auch ein gewalttätiges und damit gefährliches Kind bleibt vor dem Gesetz ein Kind. Hinzu kommt die weit verbreitete Einschätzung, man müsse Jugendliche vor einem allzu harten Zugriff des Gesetzes schützen. In dem genannten Fall folgt daraus eine perverse Verdrehung: geschützt werden sollen die vier jugendlichen Täter und nicht das jugendliche Opfer, gerade so, als wäre die Verhaftung und mögliche Bestrafung für die Vergewaltiger ungerecht und damit traumatischer als es die Gruppenvergewaltigung für das Opfer war. Die verantwortlichen Richter wissen offenbar nicht, dass unsere Rechtsordnung nicht primär dem Schutz der Verbrecher, sondern dem Schutz der Bevölkerung dient. Auch die Richter sind immer häufiger Tätertröster. Die Folgen sind Tätermitleid und Opferhass.

Dahinter steht ein gesellschaftspolitischer Wertewandel: Nicht der Täter ist schlecht, die Gesellschaft ist nunmehr schlecht. Der Täter ist nur das Symptom einer kranken Gesellschaft und darum das wahre Opfer. Seine Untat ist ein Hilferuf. Je mehr er um sich schlägt, auf andere einschlägt, andere auch totschlägt, um so mehr Tröstung verdient er. Seine Opfer sind zu vernachlässigen. Mehr noch: vielen gilt der Täter als Rebell, weil er ein - vermeintliches - Unrechtssystem entlarvt. Während er gegen die sozial ungerechte Gesellschaft kämpft, bleibt - in dieser Sicht - das Opfer ein windiger Konformist. Die Tätertröster unter den Richtern wollen nicht den Verbrecher verurteilen, sondern die Gesellschaft. Und damit solidarisieren sie sich mit dem Täter sowohl gegen das für sie belanglose Opfer als auch gegen die repressive Gesellschaft. Solche Richter verstehen sich offenbar als Tupamaros, als Befreier im epochalen Kampf gegen den Staat. Ob unser Rechtssystem damit in guten Händen liegt?

Sophie Dannenberg, geboren 1971 in Gießen, studierte Philosophie und Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaften in Bayreuth sowie Theaterwissenschaft in Berlin, wo sie auch lebt. 2004 veröffentlichte Sie den Roman "Das bleiche Herz der Revolution" über die Kinder der 68er.
(Politisches Feuilleton - www.dradio.de )

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